Traonvoez nach Landévennec, La vieille ferme, 30.7.2019

Schlechtes Wetter ist angekündigt, bei unserer Abfahrt aus dem bretonischen Paradies Le Coquelicot weht es uns mit 40 bis 45 km/h um die Ohren, teilweise können wir nur mit Mühe die Räder in der Spur halten. Wir erreichen Irvillac, dann beginnt es zu regnen, dann zu gießen, der Wind peitscht den Regen ins Gesicht, man kann kaum etwas sehen. Was tun? Erstmal den nächsten groesseren Ort erreichen, das ist Henvec. Nach 13 km sind wir nass und erschöpft, aus unserer Reiseerfahrung gibt es da nur eine Lösung, ein Taxi. Aber wo dieses auftreiben? Wir halten einen Lieferwagen an, nein, sie nehmen uns nicht mit. Gegenüber der Kirche finden wir das Rathaus, es ist offen, die freundliche Angestellte am Empfang hilft, in 15 Minuten ist das Taxi da. Der Fahrer wechselt aber noch einmal das Auto, damit wir die Räder mitnehmen können, er erzählt, dass er regelmäßig Gepäck von Wandertouristen transportiert. Er ist aus Martinique. Nach dem Diplom in Frankreich kehrte er nach Martinique zurück, hatte dort aber keine Zukunft. Seit 30 Jahren lebt er jetzt hier mit seiner Familie. Selbst für ihn ist es schwer, unsere Unterkunft La vielle ferme auf der Halbinsel Crouzon zu finden. Dann sind wir da, Madame etwas irritiert, weil wir schon so früh da sind, aber angesichts unseres desolaten Zustandes macht sie uns erstmal einen Café. Die Besitzer der kleinen Pension zeigen uns abends stolz, wie sie aus einer Ruine drei Appartements geschaffen haben. Die ehemalige Scheune ist gemeinsamer Essensraum und Küche. Der Hausherr kocht, am grossen Tisch wird gemeinsam gegessen, kein Handy, Musik aus dem Radio. Das Menü köstlich, eine Gemüsesuppe, Blumenkohl/Lauch mit Schweinebraten und Kartoffelgratin, Salat. Danach eine kleine Kaese Platte und eine Charantais Melone passiert als Dessert. Die Hausfrau gibt auf, rund um den Tisch fühlen sich alle wohl, die Kinder spielen Verstecken mit einem einzigen Würfel . Die Tradition des gemeinsamen Abendessens finden wir hier in der Bretagne noch überall, zumindest fernab der Touristenzentren und der grossen Hotels. Was man auch feststellen kann, ist der enge Bezug zur bretonischen Sprache, nicht nur, dass die Orte zweisprachig angegeben werden, bretonischsprachige Schulen werden angeboten, in letzter Zeit nehmen die Hochzeiten und Taufen in bretonischer Sprache wieder zu. Auch die Verbundenheit mit der katholischen Region ist nicht nur durch die alten Kirchen und Pfarreien präsent, in Broschüren für die Touristen wird auf die enge Bindung der Bretagne mit der Religion hingewiesen. Während die französischen Protestanten(Hugenotten) im 16. Jahrhundert in 8 blutigen Glaubenskriegen um ihre Anerkennung kämpften, die Krone in England mal katholisch, mal protestantisch regierte, schlossen sich die Katholiken in der Bretagne eng zusammen und suchten Anschluss an das katholische Spanien…..

Draußen tobt immer noch der Wind, wir hoffen, dass es morgen besser wird. Weather pro verspricht es zumindest.

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